Das erste Eurer Statements lautet:
„Von Anfang an“. Man könnte meinen,
alles fängt mit dem Anfang an.
Was steckt für Euch genau dahinter?
Wann und wo beginnen Eure Projekte?

Weil wir nicht immer auf das symbolische Auftragstelefonat des Bauherrn warten wollten, haben wir vor Jahren damit begonnen, selbst proaktiv nach Potentialen für Architekturprojekte zu suchen. Damit haben wir den Anfang unserer Intervention bedeutend nach vorn geschoben. Diese Strategie wurde mittlerweile zu einem unserer Markenzeichen. Wir bekommen jetzt z. B. Anfragen von Bauherren mit einer Nutzungsvorstellung und suchen dazu den passenden Ort. Oder wir haben einen Ort und entwickeln dazu ein geeignetes Nutzungsszenario. Unser Anfang liegt somit ganz am Anfang. Wir betrachten das Umfeld, reden mit Privatleuten, den Behörden, möglichen Nutzern und nehmen so einzelne Fäden auf und spinnen sie zu einem grösseren Ganzen. Die Suche nach der Sinneinheit ist am Anfang ganz wichtig und stellt die Weichen für das spätere Bauprojekt. Oftmals entsteht am Ende etwas auch für uns Unerwartetes.

Das klingt nach einer kreativen Schaukelbewegung: Im Vorwärtsdenken schaut Ihr beständig zurück und lotet dabei die Grenzen des aktuell Machbaren aus. Kann man das so sagen?

In einer gewissen Weise schon, ja. Regionale Traditionen, Denkweisen und unsere eigenen Erfahrungen dienen uns stets als Kompass, um das Projekt zu verankern. Aber wir nutzen diese Aspekte auch als Wegweiser, um ausgetretene Pfade zu verlassen.

Man könnte sagen, das Leben der modernen Menschen ist auf Sand gebaut.
Was bedeutet die Sandknappheit konkret für Euer Bauen in der Zukunft?

Dieses Problem haben wir seit längerem auf unserem Radar und bauen deshalb nach Möglichkeit mit nachwachsenden Rohstoffen. Es ist für uns im Sinne einer nachhaltigen Architektur sehr wichtig, dass wir die Rückbaufähigkeit und Rezyklierbarkeit unserer Bauten stets verbessern.

In welchen Zusammenhang seht Ihr Euch eingebettet?
Was für eine Rolle oder Haltung ergibt sich für Euch daraus?

Die ländlichen Gegebenheiten, unsere Berge, aber auch die Schnittstelle zum urbanen Raum prägen unser Denken und bilden unsere Wurzeln. Wir leben in einer interessanten Siedlungsstruktur, die weder ganz ländlich noch ganz städtisch ist. Unsere DNA ist klar lokal. Durch die Nähe zu den Menschen und die persönlichen Beziehungen ist es für uns eine Selbstverständlichkeit, offen auf die Leute zuzugehen, mit Handwerkern respektvoll zusammenzuarbeiten und eine gute Lösung für alle Beteiligten zu suchen. Diesem Credo bleiben wir treu, unabhängig davon, ob wir Projekte für das urbane Zürich oder das ländliche Churwalden entwickeln.

Wenn Ihr im öffentlichen Raum baut, was steht für Euch dabei immer im Vordergrund?

Für uns hat die Angemessenheit der Intervention einen hohen Stellenwert. Das Projekt muss der übergeordneten Sache dienen und ist nie nur Selbstzweck. Manchmal ist es eine dezente Ergänzung, manchmal eine Initialzündung und Startpunkt für eine ganz neue Entwicklung. Unabhängig davon achten wir sehr darauf, dass das Gebäude so integriert werden kann, dass es zu einer Bereicherung im Alltag der Passanten wird.

Ihr übernehmt auch die Bauleitung Eurer Projekte,
was in der Branche ja inzwischen nicht mehr üblich ist.
Warum macht Ihr das?

Wir sind überzeugt von der Rolle des Architekten als Generalisten. Deshalb ist es für uns sehr wichtig, für sämtliche Entwicklungs- und Projektphasen fundiertes Know-how im Büro zu haben. Dazu gehört nicht nur ein gutes Verständnis für Prozesse und Abläufe, sondern auch die konkrete Verantwortung für die Umsetzung der Projekte auf der Baustelle. Damit verlieren wir die Kosten für die Umsetzung nie aus den Augen und profitieren sehr vom unmittelbaren Austausch zwischen den Akteuren auf der Baustelle und den Architekten und Zeichnern. Durch dieses unverzichtbare Feedback, das natürlich in beide Richtungen funktionieren muss, lernen wir beständig voneinander und erweitern unsere Expertise, und das ist natürlich extrem hilfreich für künftige Projekte.

Bei Euren Projektbeschreibungen finden sich nicht nur die Aspekte, über die wir jetzt gesprochen haben, sondern man gewinnt den Eindruck, es gibt immer etwas, das «unbeschreiblich» ist: eine Idee, die man nur einmal im Leben hat, ohne genau sagen zu können, woher sie kam, oder der Zauber eines Hintergrunds, den man erhalten wollte. Was für eine Rolle spielt dieses «Unbeschreibliche» für Euch?

Nicht alles ist messbar oder rational ableitbar, auch wenn uns das die Architekturpublikationen so gerne vermitteln möchten. Am Anfang eines jeden unserer Projekte steht das Bauchgefühl in Bezug auf mögliche Lösungsansätze. Dieser Instinkt hilft uns vor allem zu einem frühen Zeitpunkt bei Projektentwicklungen eine Entscheidung.

Woran wird man ein Projekt von RS immer erkennen?

Man erkennt es daran, dass man es nicht erkennt. Unsere Projekte sind immer unterschiedlich, auch wenn das Denken dahinter dasselbe ist: Wir wollen mit unserer Architektur das Gefühl transportieren, dass wir alle Teile eines grösseren Zusammenhangs sind und die Menschen durch unsere Projekte mit ihrer Umwelt in Verbindung bringen.